Die Prüfungen der Spinnenkönigin

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Inhaltsverzeichnis

Die Prüfungen der Spinnenkönigin

In ihrem Leben hat Rauvyl, wie viele andere Drow, von der Spinnenkönigin Prüfungen auferlegt bekommen, welche sie bestehen musste. Bisher hat sie jeder der Prüfungen überstanden, doch wer weiß, was die Dunkle Mutter sich als nächstes einfallen lässt.

Chwineka: Die Prüfung der Dunkelheit

Rauvyl war tief im Unterreich... in den dunklen Tunneln unter Seldaria. Sie hatte den Auftrag die Tunnel jenseits des Großen Sees zu erforschen. Sie wusste genau... wenn sie diesen Auftrag nicht erfüllen würde... würde sie ein Nichts bleiben. Unwichtig... uninteressant... vollkommen frei von Pflichten... und Rechten. Ein gesichtsloses Nichts. Ohne Ambitionen. Wie schon ihr ganzes Leben lang.

Doch Rauvyls Bestimmung war es nicht, solch ein Nichts zu bleiben. Sie spürte einen gewissen Stolz in sich aufsteigen... ihr Herz schwoll förmlich an. Sie spürte die Aufmerksamkeit etwas größeren... und sie spürte, dass sie nun nicht aufgeben durfte. Und so fiel ihr der Plan ein, wie sie über den See kam, ohne von den Troglodythen erwischt zu werden. Und ohne von dem Riesenfisch gefressen zu werden.

Sie zeigte Lolth, dass sie sich den anderen, den Echsen und den Fischen, den Nicht-Drow überlegen fühlte... und dass sie, tief in ihrem Inneren, wusste, dass sie besser war. Dass sie eine Drow war. Und so ward der erste Test bestanden.

Chwikezzar: Die Prüfung der Ambition

Rauvyl hatte ihren Platz in der Drowgesellschaft der Enklave unter Seldaria gefunden... Nicht weit oben, dennoch etwas anderes als eine Sklavin. Man... respektierte sie. Doch sie hielt die Augen offen nach... Gelegenheiten. Und dann hörte sie ein Gerücht... Kel'valis, der hoch gelobte Assassine, war träge geworden. Kümmerte sich nicht um seine Aufgaben. Brachte einer Menschenfrau Dinge bei, die sie nicht wissen sollte. Natürlich konnte sie nichts davon beweisen. Natürlich war nichts davon sicher. Und doch... und doch... sie hasste Assassinen. Damals noch mehr als heute. Sie zögerte nicht, sondern handelte. Sofort bat sie bei der Ilharess um Audienz, und erzählte ihr alles, was sie erfahren hatte, und schmückte es noch ein wenig aus... und die harte Priesterin war außer sich. Von diesem Moment an war sie die persönliche Spionin der Ilharess, und niemand erfuhr jemals etwas davon. Ein wenig Narrenfreiheit vor der herrschenden Frau, ein wenig höher in der Karriereleiter... eine neue Sklavin, und vor allem ein Tritt ins Gesicht des Assassinen. Es war ein erfolgreicher Tag.

Lolth belohnt die, die ohne zu zögern Gelegenheiten ergreifen, und dabei Erfolg haben. Und so bestand sie die zweite Prüfung.

Chwidrinnera: Die Prüfung der Drinne

Die nächste Prüfung war die schwierigste Prüfung, die Rauvyl jemals erdulden musste. Sie wachte auf... und neben ihr stand ihre Kleine, die gut menschengroße Riesenspinne. Und sie hatte das unbestimmte Gefühl, dass ihre eigene Gefährtin sie töten wollte. Oh, und nicht nur sie... auch alle anderen Spinnen der Enklave. Nein... alle Spinnen. Es war ein vollkommen irrationales Gefühl. Panik machte sich breit. Wie konnte dies sein...? Wie war dies möglich...? Die Drinne! Diese verdammte Drinne bei der Spinnenbrut! Sie musste dahinter stecken.

Beruhigend machte sie daran zu versuchen, Lotha'Uss zu beruhigen. Die Drinne sollte sterben. Oh ja... sie sollte auf dem Opferaltar ausgestreckt werden.

Sie überwand die irrationale Angst vor Spinnen, und die Drinne wurde geopfert. Doch es waren die schlimmsten Stunden in Rauvyls Leben. Und das bestehen der dritten Prüfung.

Chwiakrell: Die Prüfung der Lügen

Diese verdammte Schlampe. Diese Irae hatte Rauvyl nun wirklich zum letzten mal blöd angelächelt. Sie einfach hinaus zu werfen... genug war genug... Nun war es an Rauvyl zurück zu schlagen.

Shylace und die anderen sollten erfahren, was diese falsche Priesterin in ihrem Zimmer mit einer falschen Spinne trieb. Sie sollten erfahren, dass Irae vollkommen unfähig war. Oh ja... ein Netz aus Lügen, mit genug Wahrheiten eingepflochten, um das Leben einer Priesterin zu vernichten. Jeder würde ihr glauben. Und sicher war sie nicht einmal stark genug, um sich zu wehren... sie wollte sich nicht Haus Fyvrek'Zek anschließen... sie war fast alleine mit dieser Meinung. Ja... man würde Rauvyl einfach glauben müssen, weil man ihr glauben wollte.

Kichernd sann sie ein paar Formulierungen aus... und Lolth erfreute sich an diesem Gespinst aus Wahrheit und Lügen... und die vierte Prüfung ward beendet.

Chwidencha: Die Prüfung der Opferung

Missmutig stand Rauvyl vor der nächsten Türe... oh ja, schon wieder ein Opfer war gefragt. Jede Türe, ein Opfer, sonst würde sie sich nicht öffnen. Sie hatte alles mögliche schon gegeben, um weiter zu kommen... und zu überleben. Wertvolle Gegenstände, die Drinne, ihr Herz und ihr Blut, doch es war nicht genug. Nun galt es zu fliehen, und das eigene Leben zu retten.

Sie spürte genau, dass bei der nächsten Türe sie etwas opfern musste, was ihr lieb und teuer war. Etwas, worauf sie stolz war... etwas, wofür sie stand. Ihre Gedanken rasten... die anderen diskutierten, was sie opfern könnten. Doch sie wusste genau, dass es etwas war, was sie nicht geben wollte. Sie konnte einfach warten, darauf warten, dass die anderen etwas von sich opferten. Doch dann würde sie versagen. In diesem Moment seilte sich eine Spinne von der Decke hinab auf ihr rechtes Ohr... überrascht riss sie ihre Augen auf... und sie wusste, was sie zu tun hatte.

Ein Opfer zu bringen, einfach nur, um etwas zu verlieren... ohne dass es etwas zu gewinnen gab. Ohne, dass es einen Vorteil davon gab... es war allen Drow fremd. Doch Lolth ist eine gierige Göttin, die alles verschlingen und besitzen will, was andere haben. Und als Rauvyl, ohne dass sie etwas davon hatte, nicht auf die anderen zu warten, ihre Ohrringe abriss, und ihr Ohr verstümmelte, war Lolth zufrieden, und die fünfte Prüfung ward bestanden.

Chwidevbril: Die Prüfung des Verrates

Rauvyl konnte zufrieden sein. Sie war Stellvertreterin der Matriarchin. Sie hatte alles, was ihr Herz begehrte. Ein großes Zimmer, einen angesehenen Ruf in Dunkelbrunn... und genug Silber, um gut zu leben. Es lief alles nach Plan. Vollkommen Fehlerlos.

Sie betrat das Zimmer von Shylace, wie so oft. Sie erstattete Bericht, und erzählte ihr von den Vorkommnissen. Doch diesmal war etwas anders... eine kleine Spinne, schwarz wie die Nacht, mit einer Roten... was war es...? Es sah aus wie ein... wie ein Messer. Ein Zeichen der Lolth. In diesem Augenblick wusste Rauvyl es: Shylace musste den Platz räumen. Dieses Zimmer sollte ihr gehören. Und niemand anderen.

Es funktionierte fast wie von alleine... sie wog Shylace in Sicherheit, ihre Matriarchin, ihre große Cousine, die Herrin der Drow... und verteidigte sie sogar vor den anderen. Doch der Samen der Missgunst war gesäht. Bald sprach niemand mehr von Shylace als Herrin... sondern von Rauvyl.

Shylace verließ Seldaria, und überließ Rauvyl das Feld. Freiwillig. Und das Gelächter Lolths über diesen Erfolg zeugte davon, dass auch die sechste Prüfung bestanden war. Rauvyl hatte ihre Mentorin verraten und verkauft, um weiter aufzusteigen in der Hierarchie der Drow. Und ihr Leben geradezu zerstört.

Chwihendrell: Die Prüfung der Vorherrschaft

Oh, wie viel Energie sie darauf verwendet hatte, diese Prüfung zu bestehen... eine kleine Spinne hatte sie wieder darauf aufmerksam gemacht. Sie krabbelte über die Klinge, die sie dem Elfen abgenommen hatte. Dem Elfen, der noch immer in ihrem persönlichen Kerker darauf wartete, erlöst zu werden. Ein Zeichen der Spinnenkönigin. Eindeutig noch dazu. Der Elfenturm musste brennen.

Grottenschrate wurden angeheuert. Die Dunkle Garde verpflichtet. Die Drow angestachelt. Die Dunkelbrunner aufgehetzt. Und am Ende griffen sie alle zusammen an, unter dem Kommando von Rauvyl... und der Turm brannte.

Er brannte im Namen Lolths. Oh ja... auch die siebte Prüfung war bestanden. Rauvyl war in der Lage ihre Leute in den Kampf zu führen.

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